Künstliche Intelligenz wird häufig als einheitliche Technologie wahrgenommen. In der Praxis basiert moderne KI jedoch auf grundlegend unterschiedlichen Architekturen, die jeweils für klar abgegrenzte Problemklassen optimiert sind. Ob ein System Texte analysiert, Bilder erkennt oder autonome Entscheidungen trifft, hängt nicht von einer allgemeinen „Intelligenz“ ab, sondern von der strukturellen Auslegung des Modells.
Dieser Artikel erklärt die drei zentralen KI-Modelle – Large Language Models (LLMs), Convolutional Neural Networks (CNNs) und Reinforcement Learning (RL) – und zeigt, was sie leisten, warum sie so gut funktionieren und wo sie eingesetzt werden.
Warum es nicht „die eine KI“ gibt
Jede KI-Architektur ist eine technische Antwort auf eine bestimmte Art von Daten und Aufgaben:
- Sprache ist sequenziell, symbolisch und kontextabhängig
- Bilder sind räumlich strukturiert und lokal korreliert
- Entscheidungen sind zeitabhängig, zielorientiert und feedbackgetrieben
Moderne KI unterscheidet sich daher weniger durch Rechenleistung als durch die Art der Weltmodellierung. Fortschritt entsteht nicht durch ein universelles Modell, sondern durch spezialisierte Architekturen, die gezielt kombiniert werden.
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Large Language Models (LLMs): Strukturierung von Sprache und Wissen
Was sind Large Language Models?
Large Language Models sind neuronale Netze auf Basis der Transformer-Architektur. Ihr Trainingsziel ist die Vorhersage des nächsten Tokens in einer Sequenz auf Grundlage des bisherigen Kontexts.
Transformer-Strukturen sind neuronale Netzwerkarchitekturen, die Sequenzen verarbeiten, indem sie über Self-Attention alle Elemente eines Kontexts gleichzeitig zueinander in Beziehung setzen, statt Informationen Schritt für Schritt weiterzureichen.
Dadurch können sie globale Abhängigkeiten und komplexe Strukturen in Daten wie Sprache oder Code effizient modellieren und sehr gut skalieren.
Ein LLM modelliert damit keine Bedeutungen, sondern eine Wahrscheinlichkeitsverteilung über Symbolfolgen. Was wie „Verstehen“ wirkt, ist das Ergebnis statistisch gelernter Strukturen in Sprache.
Falls Sie mehr über LLM's erfahren wollen, lesen sie hier unseren Artikel zu dem Thema.
Warum LLMs so gut im Strukturieren sind
Der zentrale Mechanismus von LLMs ist die eben genannte Self-Attention. Jedes Token kann alle anderen Tokens im Kontext gewichten.
Tokens sind die diskreten Einheiten, in die ein Text vor der Verarbeitung zerlegt wird. Je nach Tokenizer können das ganze Wörter, Wortteile (Subwords), Satzzeichen oder sogar einzelne Zeichen sein.
Ein LLM arbeitet nicht direkt mit „Wörtern“, sondern mit diesen Token-IDs und lernt, aus dem bisherigen Token-Kontext das nächste Token wahrscheinlich vorherzusagen.
Dadurch entstehen:
- globale Kontextsicht statt lokaler Abhängigkeiten
- flexible Priorisierung relevanter Informationen
- emergente Strukturen wie Syntax, Argumentationslogik und semantische Beziehungen
LLMs sind daher besonders leistungsfähig bei Aufgaben, die komplexe symbolische Ordnungen erfordern.
Typische Einsatzfelder von LLMs
- Textanalyse, Zusammenfassungen und Generierung
- Code-Analyse, Dokumentation und Refactoring
- Research-Workflows und Wissensmanagement
- Strukturierung unstrukturierter Textdaten
- Sprachbasierte Steuerung anderer KI-Module
In komplexen Systemen fungieren LLMs häufig als koordinierende oder planende Ebene.
Convolutional Neural Networks (CNNs): Wahrnehmung und Mustererkennung
Grundidee von Convolutional Neural Networks
Convolutional Neural Networks wurden speziell für räumlich strukturierte Daten entwickelt. Statt globale Zusammenhänge zu modellieren, arbeiten CNNs mit lokalen Filtern, die systematisch über das Eingabebild angewendet werden.
Dabei entstehen hierarchische Repräsentationen:
- frühe Schichten erkennen Kanten und Texturen
- mittlere Schichten erfassen Formen und Konturen
- tiefe Schichten identifizieren Objektstrukturen
CNNs sind damit klassische Wahrnehmungssysteme.

Warum CNNs besonders gut für Bilder geeignet sind
CNNs nutzen explizite Eigenschaften visueller Daten:
- lokale räumliche Abhängigkeiten
- Parameter-Sharing über das gesamte Bild
- Robustheit gegenüber Verschiebungen und Skalierung
Dadurch sind CNNs:
- daten-effizient
- stabil gegenüber Bildvariationen
- hochpräzise in visueller Klassifikation
Ein CNN „versteht“ kein Bild semantisch, sondern erkennt statistisch stabile visuelle Muster.
Typische Einsatzfelder von CNNs
- Computer Vision und Objekterkennung
- Medizinische Bilddiagnostik
- Video- und Bewegungsanalyse
- Industrielle Qualitätskontrolle
- Wahrnehmung autonomer Systeme
CNNs bilden häufig die Perception-Layer größerer KI-Architekturen.
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Reinforcement Learning: Lernen durch Interaktion und Feedback
Das Reinforcement-Learning-Paradigma
Reinforcement Learning unterscheidet sich grundlegend von LLMs und CNNs. Es arbeitet nicht mit einem festen Datensatz, sondern mit Interaktion. Ein Agent trifft Entscheidungen in einer Umwelt und erhält dafür Belohnungen oder Strafen.
Zentrale Elemente sind:
- ein Agent, der handelt
- eine Umwelt, die reagiert
- ein Aktionsraum
- eine Reward-Funktion
- eine Entscheidungsstrategie (Policy)
Warum Reinforcement Learning so mächtig ist
Reinforcement Learning optimiert sequenzielle Entscheidungen unter Unsicherheit. Das Modell lernt:
- welche Aktionen kurzfristig negativ sind
- aber langfristig positive Effekte haben
- wann Exploration notwendig ist
- und wann bekannte Strategien ausgenutzt werden sollten
Dadurch eignet sich RL besonders für dynamische und nicht-deterministische Systeme.
Typische Einsatzfelder von Reinforcement Learning
- Robotik und autonome Steuerung
- Spiel-KI
- Logistik- und Routenoptimierung
- Energiemanagement
- Simulation komplexer Entscheidungsprozesse
Im wirtschaftlichen Kontext wird RL häufig in Simulationsumgebungen eingesetzt, um Strategien unter kontrollierten Annahmen zu testen.
Zentrale Unterschiede zwischen LLMs, CNNs und Reinforcement Learning
Die drei Architekturen unterscheiden sich fundamental in ihrer Funktion:
Large Language Models
- arbeiten mit symbolischen Sequenzen
- erkennen und erzeugen Struktur in Sprache
- sind stark in Analyse, Planung und Wissensaggregation
Convolutional Neural Networks
- arbeiten mit räumlichen Daten
- erkennen visuelle Muster und Objekte
- bilden die Wahrnehmungsebene moderner KI
Reinforcement Learning
- arbeitet mit Entscheidungen über Zeit
- optimiert Handlungen anhand von Feedback
- eignet sich für Steuerung und Strategieentwicklung
Keine dieser Architekturen ist universell einsetzbar. Ihre Stärke ergibt sich aus der Passung zwischen Problemstruktur und Modellannahme.
Kombination moderner KI-Systeme
Aktuelle KI-Systeme kombinieren diese Architekturen gezielt:
- CNNs liefern Wahrnehmung
- LLMs strukturieren Informationen und Wissen
- Reinforcement Learning trifft Entscheidungen
Diese Kombinationen bilden die Grundlage für autonome Systeme, multimodale Assistenten und agentenbasierte KI-Architekturen.
Bedeutung für Wirtschaft, Finance und Technologie-Strategie
Für Unternehmen, Analysten und Entscheider ist entscheidend:
- KI-Leistung ist architekturabhängig
- Fehlanwendungen entstehen durch falsche Modellwahl
- Erfolgreicher KI-Einsatz erfordert Systemverständnis, nicht Tool-Orientierung
Gerade im Finance- und Wirtschaftsbereich gilt:
Wer KI einsetzen will, muss verstehen, welche Art von Problem eigentlich modelliert wird.
Fazit
Künstliche Intelligenz ist kein einheitliches System, sondern ein Baukasten spezialisierter Architekturen.
LLMs strukturieren Sprache, CNNs ermöglichen Wahrnehmung und Reinforcement Learning optimiert Entscheidungen.
Der entscheidende Hebel liegt nicht in größeren Modellen, sondern in klarer Architekturwahl und sauberem Systemdesign.